Im Sauerland sieht manches anders aus
Ein Unternehmen, drei Standbeine
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| Abb.: Ein wesentliches Standbein von Lohnunternehmer Hans-Albert Reermann ist der Winterdienst | Abb.: Drei Viertel der rund 300 Kunden sind reine Grünlandbetriebe |
In Mittelgebirgsregionen wie dem Sauerland
ist das Grünland vielerorts prägendes Element. Zahlreiche,
zum Teil
kleine landwirtschaftliche Betriebe verdienen
ihre Brötchen nach wie vor mit intensiver Milchviehhaltung.
Wir
haben uns vor Ort erkundigt wie Lohnunternehmer
sich auf diese Rahmenbedingungen einstellen.
Mit Ausnahme der Mäharbeiten, gehört alles, was sich
um das Grünland dreht zu den wesentlichen Aufgaben von Lohnunternehmer
Hans-Albert Reermann aus Brilon im Sauerland. Drei Viertel seiner
rund 300 Kunden sind reine Grünlandbetriebe. Daneben zählt
der Mähdrusch, Mais häckseln und vor allem der Winterdienst
zum Spektrum der angebotenen
Dienstleistungen. Ein spezieller Bereich und nicht alltäglich
für ein Lohnunternehmen ist die Herstellung und der Vertrieb
von land-
technischen Geräten. Dazu gehören unter anderem Rund-
und Quaderballenzangen in unterschiedlicher Ausführung für
Heck-, Front-
oder Frontladeranbau. Besonders stolz ist der gelernte Maschinenbauer
auf den sogenannten ~PressWrapper 2000 Plus eine Press-
Wickelkombination. Bemerkenswert ist die DLG-Anerkennung für
die Ballenzange Hydro-Greif und die Rundballengabel
Hydro-
Klapp. Mittlerweile wird die Technik nicht nur in Deutschland
sondern auch in Europa und Übersee vertrieben. Um die Verkaufs-
und
Marketingaktivitäten kümmert sich Christoph Röken,
seines Zeichens Diplom-Agraringenieur. Daneben unterstützt
er die Dienstleistungs-
sparte des Lohnunternehmens, wenn Werbeaktionen oder Direkt-Maildings
durchgeführt werden.
Flexibilität der Mitarbeiter ist das A und 0
Insbesondere der fertigungstechnische Sektor erlaubt eine entsprechende
Personal-Auslastung, die es Reermann ermöglicht 11 fest
angestellte Mitarbeiter zu beschäftigen. Das setzt ein gehöriges
Maß an Flexibilität der Leute voraus. Im Produktionsbereich
verfährt
der Betrieb nach dem Prinzip der Vorfertigung in Serie und Endfertigung
nach Verkäufen beziehungsweise kundenspezifischen
Anforderungen. Innerbetrieblich ist die Arbeit so aufgeteilt,
dass jeder Mitarbeiter einen festen Aufgabenbereich hat, je nach
den
Erfordernissen aber für nahezu alle anfallenden Tätigkeiten
eingesetzt werden kann. Nur so wird gewährleistet,
dass alle fest
angestellten Mitarbeiter rund um das Jahr ausgelastet werden können.
Wenn die Mitarbeiter nicht diese Flexibilität hätten,
könnten wir ihnen keinen Fulltimejob bieten
beschreibt Reermann die wesentliche Anforderung an seine Mitarbeiter.
Reermann
selber hat die Meisterprüfung als Landmaschinenschlosser
absolviert und bildet jetzt im Betrieb Landmaschinenschlosser
aus.
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Aus der Praxis für die Praxis
Der PressWrapper 2000 plus wurde 1998 erstmals im
eigenen Betrieb genutzt. Ein Jahr später kam die zweite Maschine
dazu und die Überlegung, dass Gerät professionell zu
vermarkten. Der PressWrapper ist eine Kombination aus Göweil-Wickel-
technik und Welger Presstechnik. Die Endfertigung der Grundkomponenten
erfolgt in der Briloner Fertigungsstätte, in der auch
Rund- und Quaderballenzangen hergestellt werden. Ein besonders
erwähnenswertes Merkmal der Press-Wickelkombination
ist der Förderkanalboden, der sich bei Verstopfungen einfach
über zwei Hydraulikzylinder vom Schlepper aus öffnen
lässt.
Der Rotor kann das Material einfach In die Ballenkammer fördern,
ohne das Beschädigungen an Rotor oder Schneidwerk
entstehen können. Die Standzeit der gesamten Kombination
wird so auf ein Minimum begrenzt. Die Ballenübergabe auf
den
Wickeltisch erfolgt problemlos, da der Tisch durch Längsführung
unter der Heckklappe positioniert wird. Der Bellen wird
dadurch keiner unnötigen Bewegung ausgesetzt, sodass die
Gefahr des Aufpufferns und das Eindringen von Luft in den Ballen
vermieden wird. Sofort nach der Ballenübergabe fährt
der Tisch mit Ballen in Wickelposition und der Wickelvorgang setzt
automatisch ein. Die speziell entwickelte Kippgeometrie des Tisches
sorgt zusätzlich für eine schonende Ballenablage. Sämtliche
Arbeitsgänge werden von Sensoren überwacht und vom Schlepper
aus kontrolliert und gesteuert.
Erntesicherheit bieten
In der Grasernte ist Reermann mit allen gängigen, modernen
Techniken und Verfahren im Einsatz. Dazu gehört die Häckseltechnik
(2 x Claas) ebenso wie der Ladewagen (6 x Schuitemaker, zwei Rund-
und zwei Quaderballenpressen jeweils Welger) sowie
zwei Press-Wickelkombinationen, der sogenannte PressWrapper 2000
Plus. Zudem werden zwei Solo-Ballenwickelgeräte und
ein Schwader eingesetzt. Reermann verwendet alle drei Erntetechniken,
weil es in der Region sowohl kleine und mittlere als
auch große Betrieb gibt. Ganz grob beschreibt er die Situation
folgendermaßen: der Großbetrieb lässt häckseln,
der mittelgroße
Betrieb nutzt den Silier- beziehungsweise Ladewagen und der kleine
Betrieb greift auf die Ballensilage zurück. Es gibt aber
auch
Kunden, die den ersten Schnitt häckseln, den zweiten Schnitt
mit Ladewagen einbringen und den dritten Schnitt als Ballensilage
ernten lassen. Letztlich entscheidet darüber auch die personellen
Besetzung in den Betrieben. So gibt es Großkunden, die lieber
auf die Silierwagen zurückgreifen, weil keine zusätzlichen
Abfuhreinheiten notwendig sind. Im Regelfall wird diese Arbeit
nämlich
von den Landwirten in Eigenregie erledigt. Der Lohnunternehmer
bietet lediglich die Möglichkeit entsprechende Transportfahrzeuge
zu mieten. Ebenso wird in den meisten Fällen die Walz- und
Verteilarbeit in der Miete von den Landwirten durchgeführt.
Komplette Ketten werden im Sauerland zur Zeit noch nicht nachgefragt.
Beim Stroh pressen rechnet Reermann nach Volumen ab.
Im Gegensatz dazu wird im Grünlandbereich der Presseneinsatz
nach Ballenzahl bezahlt und die Häcksel, sowie Ladewagentechnik
auf Zeitbasis, gestaffelt nach Maschinengröße, berechnet.
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Schnittqualität muss stimmen
Seitdem Reermann den Mehrzweckwagen von Schuitemaker nutzt, setzt
er verstärkt auf diese Technik. Wie er anführt, ist
die
Schnittqualität bei den Wagen nicht wesentlich schlechter
als beim Häcksler. Die drehbaren Messer der Schneideinrichtung
des Wagens sind feststehend auf einem Messerkamm angebracht und
ragen von oben in den Förderkanal. Damit kann der
Messerwechsel im Stehen und ohne Werkzeug erledigt werden. Wesentlicher
Unterschied zu Schneidtechniken anderer Fabrikate
ist der Aspekt, dass der gesamte Messerbalken als Fremdkörpersicherung
dient und man praktisch durch diese technische
Lösung einen Zwangsschritt vorfindet. Die einzelnen Messer
können dem Erntegut nicht ausweichen. Nur so wird tatsächlich
eine entsprechende Zerkleinerung erreicht. erklärt
der gewiefte Techniker die Lösung von Schuitemaker. Die Silierwagen
verwendet Reermann heim Häckslereinsatz im Gras oder Mais
auch als Transportwagen. Um unnötige Wartezeiten zu vermeiden
kann es vorkommen, dass mit beiden Erntetechniken parallel gearbeitet
wird. Qualitative Unterschiede bei der Silage bestehen
nach Erfahrung seiner Kunden nicht. Durch das Angebot beider Techniken
sichert der Grünlandspezialist den Landwirten eine
entsprechende Erntesicherheit. Zahlreiche Betriebe bewegen sich
mittlerweile in Richtung 100 Hektar Grünland. Für diese
Kunden
muss gewährleistet sein, das die Ernte sicher und zügig
im Futterstock untergebracht wird.
Grasernte bedeutet Flottenmanagement
Wenn parallel zur Grasernte der Mäbhdrusch beginnt, sind
es alles in allem mehr als 20-Fahrzeug-Einheiten deren Einsatz
koordiniert und überwacht werden muss. Für die Arbeitsplanung
gebt Reermann zunächst von dem Grundsatz aus, dass im
kommenden Jahr mindestens das Arbeitsvolumen des vergangenen Jahres
anfällt. Im Winter finden zur Groborientierung erste
Gespräche mit den Kunden statt. Im Frühjahr und Sommer
melden wie möglich versucht Reermann die Vorstellungen der
Landwirte zu berücksichtigen. Genaue Termine lassen sich
aufgrund der Witterung aber nicht Wochen im voraus festlegen.
Die Zeitphasen vom Schnitt bis zur Ernte sind unterschiedlich.
Das hängt sehr stark von der Witterung und der Aufwuchsmasse
ab. Eine starre Zeitplanung wäre hier wenig hilfreich. Uns
bleibt nur die Möglichkeit das Ganze entsprechend gründlich
vorzu-
bereiten, beschreibt Reermann die notwendigen Vorarbeiten.
Für alle anfallenden Arbeiten, egal ob Winterdienst, Gülle
ausbringen oder Grassilage bereiten, hat Hans Albert Reermann
spezielle Lieferscheine entworfen. Äußeres sichtbares
Kennzeichen ist die unterschiedliche Farbe der Formulare. So lässt
sich unmittelbar erkennen, um welche Dienstleistung es geht. Jedes
Formular enthält eire Aufstellung der jeweils notwendigen
Daten. Die Mitarbeiter müssen hei der Arbeit vor Ort vielfach
nur ein Kreuz an der richtigen Stelle machen. Fin paar Angaben
müssen letztlich handschriftlich festgehalten werden. Hierzu
zählen beispielsweise die Zahl der gepressten Ballen oder
die Menge
der ausgebrachten Gülle. Jeder Lieferschein wird von der
Mitarbeiterin im lnnendienst, einer gelernten Bürokauffrau,
kunden-
bezogen übertragen, verbucht und dient als Basis für
die spätere Erstellung der Rechnung.
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So läuft die Disposition
Sobald der Anruf eines Kunden eingeht wird eh entsprechender vorgefertigter
Liefer- oder Auftragschein an der großen
Planungswand aus Metall angeheftet. Damit ist in jedem Fall gewährleistet,
dass der Kunde nicht vergessen wird. Die Wand
ist wie eine Tabelle aufgebaut. Die Spalten sind die einzelnen
Wochentage und die Zeilen die jeweiligen Tageszeiten. An dieser
Wand wird der Fahrzeugeinsatz manuell koordiniert. Mit optischer
Unterstützung kann Reermann an der Magnetwand Einsätze
verschieben oder umdisponieren. Das macht der Chef in der Regel
selber Das ist kein absolutes Muss, aber wichtig ist das
hier nicht mehrere Köpfe gleichzeitig mitmischen. Sonst kommt
es zu Überschneidungen und abgesprochene Termine können
nicht eingehalten werden. Wenn der Kunde am anderen Ende
der Leitung den Hörer auflegt muss er ein gutes Gefühl
haben und
wissen, dass der Auftrag wie besprochen über die Bühne
gebt. Die Kunden die mir rechtzeitig Planungssicherheit geben,
bekommen auch frühzeitig einen sicheren Termin sagt
Reermann zum Handling der eingehenden Aufträge.
Diese einfache Abwicklung müsste sich seiner Meinung nach
gegebenenfalls in einer EDV-gestützten Lösung zur Auftrags-
abwicklung wieder finden. Die Disposition am Computer hätte
vielleicht den Vorteil, dass man am PC die Übersicht auf
einen Blick vor Augen hat und auch Dritte die Planung einfacher
und leichter nachvollziehen könnten sieht der Grünland-
spezialist durchaus Vorteile für eine PC-Lösung. Wie
er berichtet gibt es verschiedene Anbieter solcher Software-Lösungen
die sowohl aus der Landtechnik- als auch dem Kommunalsektor kommen.
Wenn wir hier investieren, muss vorab genau
geprüft werden, ob die Lösung universell einsetzbar
ist. Das heißt ein Programm für die landwirtschaftliche
Flotte muss ebenfalls
für die Kommunalfahrzeuge brauchbar sein und umgekehrt.
lnsellösungen kommen nicht in Frage, sagt Reermann
zum Aspekt der Kompatibilität von Software-Programmen. Als
weitere wichtige Kriterien benennt er einen einfachen, durchgängig
logischen Aufbau, die Möglichkeit zu Betriebszweig-
analysen und Auswertung nach Kostenstellen. Die letzten beiden
Kriterien erfüllt die im Betrieb vorhandene Software bereits.
Dort gibt es Artikel- und Maschinengruppen sowie Kostenstellen.
Je nachdem wie die Arbeiten in der Datenmaske angelegt
werden, ist hinterher eine spezifische Auswertung möglich.
Konkrete Investitionen in neue EDV-Systeme sind gegenwärtig
bei Reermann nicht geplant, weil das Marktangebot bisher
seiner Meinung nach zu teuer und noch nicht genügend ausgereift
ist. Wenn eine entsprechende Lösung in Sicht ist, und hier
bietet das Softwarepaket der Claas-Tochter Agrocom durchaus eine
Perspektive, will Reermann investieren, um die betriebs-
internen Abläufe weiter zu optimieren.
von Dr. Markus Löbbert, Redakteur "Lohnunternehmen
- Dienstleistung im ländlichen Raum"
Fotos: Löbbert (3) / Reermann (4)
erschienen: "Lohnunternehmen, 55. Jahrgang, Juni 2000,
Ausgabe 6"